PROLOG #5 ab dem 27.04.2017

TaxoMania

 

Diese Station öffnet ein Universum von Objekten, die sich über- und unterordnen, gliedern, kategorisieren, sich mit kuriosen Bedeutungen und Werten aufladen. TaxoMania ist Wahnsinn, Erregung und übersteigerte Korrektheit hinter dem Gesetz der Ordnung. Eine auf die Spitze getriebene Wunderkammer des Jahres 2017, die klassische Ordnungsprinzipien surrealistisch interpretiert, fortsetzt und die Frage aufwirft, ob es ein Ende jeglicher Ordnung geben kann?
 
Seit jeher ordnen und klassifizieren Menschen die Dinge, die sie umgeben. Obwohl Adam den Tieren Namen gab, war es doch Noah, der sie auf der Arche gesammelt hat. Im Mythos von Noah als dem Ur-Sammler finden sich bereits alle Themen des Sammelns: Verlangen und Nostalgie, Rettung und Verlust und der ewige Drang, ein dauerhaftes und vollständiges System gegen die Zerstörung durch die Zeit zu errichten. Sammeln ist gelebte Klassifizierung und das Ordnen in drei Dimensionen. Ausdruck dieser Beschäftigung des Zusammenfassens ist die Taxonomie (griechisch: taxis = Einteilung, Ordnung; nomos = Gesetz; deutsche Übersetzung für Taxonomie: Ordnungstheorie), das Gesetz der Ordnung. Die Taxonomie als Wissenschaft der Klassifikationen, ist Spiegel unserer Gedanken. Ihre Veränderungen durch die Zeit hinweg zeigt auch die Geschichte der menschlichen Wahrnehmungen. So erzählt die Geschichte des Sammelns wie die Menschheit seit jeher versucht hat, Klassifikationen zu erstellen, sie sich eigen zu machen, aufzunehmen und anzupassen und davon, wie bereits vorhandene Taxonomien und Wissenssysteme immerwährenden Erweiterungen oder Änderungen unterlagen.
 
Auch im Museum ist die Anwendung von Ordnungssystemen komplex und kontinuierlich im Wandel. Kein Ordnungssystem ist perfekt und stets historisch und kulturell verankert. Für Prolog #5 „TaxoMania“ ist eine surrealistische Wunderkammer entstanden, die die Manie des Ordnens zeigt. Mehr als 600 Sammlungsobjekte aus allen Ecken der Welt werden in einem kleinen Studiolo präsentiert. Was erzählen uns ein Fischspeer, eine Federkrone, ein Damenschuh, eine Klapper, eine Manillenkette, ein Goldschmuck, eine Lackdose, eine Vogelfigur, ein Straußenei, eine Duftkette, eine Brille, ein Talisman oder einen Tropenhelm über unsere Sammlungswut und unser Ordnungsverlangen?
 
„Wir ordnens. Es zerfällt. Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.“ Rainer Maria Rilke (Die Gedichte. Duineser Elegien, aus der 8. Elegie,1923)

TaxoMania öffnet die Türen zu einer absurden Wunderkammer, die sich mit Ironie der Obsession zu Klassifikation, der Macht der Ordnungsliebe, aber auch mit der Sammelwut beschäftigt. Diese Station zeigt auf neue fantasievoll-sinnlose Art verschiedene Weisen der Klassifizierung.

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TaxoMania opens the door to an absurd cabinet of curiosities that ironically deals with the obsession of classification, the power of orderliness as well as with acquisitiveness. This station shows new visionary yet meaningless ways of classification.

 
Fotos: Mo Zaboli