sammelwut / collecting mania

Die im Schaudepot gezeigten Objekte, sogenannte "Benin-Bronzen", kommen aus dem ehemaligen Königreich Benin, dessen Gebiet heute in Nigeria liegt. Die Erinnerung an das Königreich, seine traditionellen Herrschaftsstrukturen und sein kulturelles Erbe spielen in Nigeria auf politischer und spiritueller Ebene auch heute noch eine wichtige Rolle.

Das Königreich wurde im Zeitraum 900 bis ca. 1170 gegründet und entwickelte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts zu einem Großreich, dessen Zentrum im heutigen Benin-City lag. An der Spitze des politischen Systems stand der Oba. Er verkörperte die absolute Macht im Königreich. Seit 2016 hat der 39. Oba, Ewuara II N'Ogidigan, dieses Amt inne.

Bereits im 15. Jahrhundert entwickelten sich Handelsbeziehungen nach Europa. Zum Ende des 19. Jahrhunderts kolonisierte das British Empire weite Gebiete rund um das Königreich, mit dem Ziel, die vollständige Kontrolle über den Handel und die Handelswege zu übernehmen. Die Auseinandersetzungen zwischen dem Empire und dem Königreich nahmen zu. 1897 wurde eine britische Abordnung von Benin-Kriegern überwältigt. Großbritannien sendete in der Folge eine Strafexpedition. Tausende Benin-Kämpfer wurden während der Kampfhandlungen von den waffentechnisch stark überlegenen britischen Truppen getötet. Am 18. Februar 1897 wurde der Königspalast eingenommen, geplündert und schließlich niedergebrannt. 3500 bis 4000 höfische Kunstwerke wurden von den britischen Truppen als Kriegsbeute nach Europa transportiert, der König wurde ins Exil verbannt und mehrere Chiefs zum Tode verurteilt.

Der größte Teil der Kriegsbeute wurde für die Refinanzierung des Krieges in Londoner Auktionshäusern versteigert und gelangte so in europäische und amerikansiche Museen. Nach Großbritannien befinden sich in keinem anderen Land so viele Benin-Bronzen wie in Deutschland. Allein das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und das Museum für Völkerkunde Dresden bewahren mehr als 200 Objekte. In Nigeria selbst sind nur sehr wenige Benin-Bronzen verblieben. Restitutionsforderungen sind bislang erfolglos geblieben.

Die zwei sächsischen Museen in Leipzig und Dresden haben die Verantwortung, diese Geschichte zu erzählen und gemeinsam mit nigerianischen Forscher/innen und Institutionen einen Weg für einen neuen Umgang mit diesem schwierigen Erbe zu finden.

*

The objects displayed within the stockroom, the so-called "Benin Bronzes," come from the former kingdom of Benin, whose territory today lies in Nigeria. The memory of the kingdom, its traditional structures of rule, and its cultural heritage still play an important political and spiritual role in Nigeria today.

The kingdom was founded between 900 and 1170 and developed during the 15th century into a vast empire whose center was located in present-day Benin-City. At the head of the political system was the Oba. He embodied absolute power in the kingdom. Since 2016, the 39th Oba, Ewuara II N´Ogidigan, has held this office.

Trade relations with Europe developed as early as the 15th century. At the end of the 19th century, the British Empire colonized vast areas around the kingdom with the aim of taking full control of trade and trade routes. The clashes between the Empire and the kingdom increased. In 1897, a British delegation was overwhelmed by Benin warriors. Great Britain subsequently sent a punitive expedition. British troops killed thousands of Benin fighters during the fighting. On February 18, 1897, the royal palace was taken, looted, and finally burnt down. 3,500 to 4,000 royal works of art were transported to Europe by British troops as spoils of war, the king was exiled, and several chiefs were sentenced to death. Most of the war booty was auctioned off in London auction houses to refinance the war and thus reached European and American museums. After Great Britain, no other country has as many Benin Bronzes as Germany. The Grassi Museum of Ethnology in Leipzig and the Dresden Museum of Ethnology alone preserve more than 200 objects. Very few Benin bronzes remain in Nigeria. Restitution claims have so far been unsuccessful.

Our two Saxon museums in Dresden and Leipzig have the responsibility to tell this story and, together with Nigerian researchers and institutions, find a new way of dealing with this problematic heritage.

 

Fotos: Vera Marušić und Mo Zaboli