zu wem hast du gehört?

to whom did you belong?

Foto: Mo Zaboli

Foto: Mo Zaboli

Das Museum bewahrt nicht nur Alltagsobjekte, Schmuck, Kleidung oder Mobiliar, sondern auch unzählige sakrale oder geheime Objekte. Diese Objekte schützen uns, helfen Katastrophen zu überwinden, Schmerzen und Ängste zu mindern und Verlust anzunehmen. Sie begleiten unsere Trauer für geliebte Verstorbene und verhindern ihr Vergessen. Vielleicht beeinflussen sie auch unser Schicksal?

Jedes einzelne Objekt, das hier im Museum bewahrt und gezeigt wird, wurde einst von Menschen aus aller Welt hergestellt. Sie wurden getragen, getanzt, geliebt, gepflegt, verehrt und beschützt. Oft kennen wir nicht ihre HerstellerInnen, noch seltener ihre ersten BesitzerInnen. So sind eigentlich all diese Objekte nur Fragmente von Geschichten, von persönlichen und kollektiven Schicksalen.

Auf vielen Wegen sind diese – zumeist anonymen – Objekte hier ins Museum gelangt. Geschenkt, getauscht, manchmal gekauft, aber oft auch während kolonialer Kriege gewaltvoll geraubt. Das ist die schwierige Geschichte dieser Sammlungen. Es stellt sich die Frage, wie ein Museum mit dieser schmerzhaften Geschichte heute umgeht.

Die Objekte ohne Stimme, die hier gezeigt werden, verbergen in sich die komplexen Weltgeschichten der Vergangenheit.

So hat das Museum nicht nur die Aufgabe, die Objekte so gut wie möglich zu bewahren, sondern insbesondere auch, die mannigfaltigen Geschichten zu erzählen oder von anderen erzählen zu lassen.

Foto: Mo Zaboli

Foto: Mo Zaboli

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Not only does the museum preserve everyday objects, adornment, clothing and furniture, but also countless sacred and secret objects. These objects protect us, help us to overcome catastrophes, alleviate pain and fears, and accept loss. They accompany our grief for loved ones who have died and help prevent forgetting them.

Every single object that we preserve and show here in the museum was once made by people from all over the world. They were worn, danced, loved, cared for, revered and protected. Often we do not know their makers, even more rarely their first owners. Thus all these objects are actually only fragments of stories, of personal and collective destinies.

These mostly anonymous objects have reached the museum in many ways. Donated or exchanged, sometimes bought, but often also violently plundered during colonial wars. Such is the difficult history of these collections. The question arises as to how a museum deals with this history today.

The objects without voices that we show here conceal the complex stories of the past. The museum not only has the task of preserving the objects as best as possible, but also, and in particular, of telling the manifold stories or allowing them to be told by others.


die “zeit der anderen”

the “time of others”

Foto: Jan Tschatschula

Foto: Jan Tschatschula

Lange beruhte die Klassifizierung sogenannter ethnologischer Objekte auf einem evolutionistischen Prinzip: Gelehrte vertraten die Auffassung, jede Kultur stünde auf einer bestimmten menschlichen Entwicklungsstufe, in ihrer eigenen Zeitblase gefangen und dazu verdammt, sich ewig selbst zu reproduzieren. Diese Kulturen seien kaum in der Lage, aus sich selbst herauszutreten, um sich in die Geschichte einzuschreiben, wie der Philosoph Hegel behauptete.

Ethnologische Objekte wurden auf einer Skala der „allgemeinen Menschheitsentwicklung“ eingestuft, wobei die europäische Zivilisation die Endstufe der Skala und somit den Gipfel des Fortschritts darstellte und sich selbst als Vorbild aller Kulturen beschrieb. Das zivilisatorische Eingreifen des Westens sollte „rückständigen“ Gesellschaften ermöglichen, voranzuschreiten. Zeit und Raum, technologischer Fortschritt und menschliche Entwicklung wurden durcheinandergebracht. Ethnologen wurden zu Spezialisten für die „Zeit der Anderen“.

Die sogenannten ethnologischen Objekte, die in den vergangenen 150 Jahren massiv von Museen gesammelt wurden, die Objekte der „Anderen“ aus einer „anderen Zeit“ – wurde ein Platz außerhalb der Geschichte zugewiesen.

Inzwischen ist anerkannt, dass sich alle Kulturen innerhalb der gleichen Zeit bewegen und die Globalisierung fester Bestandteil der menschlichen Natur und nicht ein jüngeres Kapitel ihrer Geschichte ist. Somit geht es heute darum, auf der Grundlage einer gemeinsamen Zeit, die Uhren neu zu stellen, so dass die Zeiger nicht mehr nur um Europa kreisen.

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For a long time, the classification of the so-called ethnological objects was based on an evolutionary principle: scholars argued that every culture was at a certain stage of human development, trapped in its own time bubble and condemned to replicate itself indefinitely. As the philosopher Hegel claimed, these cultures are hardly able to step out of their own selves to inscribe their lives in history.

Ethnological objects were classified on a scale of “general human development", with European civilization representing the final stage of the scale and therefore the peak of progress, describing itself as the model of all cultures. The intervention of the West in civilization should enable “backward" societies to advance. Time and space, technological progress and human development were confused. Ethnologists became specialists for the “time of others".

The so-called ethnological objects, which were massively collected by museums over the past 150 years – these objects of the “others" from a “different time" – were assigned a place outside history.

Meanwhile, it is recognized that all cultures have the same time and that globalization is an integral part of human nature and not a relatively recent chapter in its history. As a result, the aim today is to set new clocks on the basis of a common time, so that the hands no longer